Fast am Ende

Ich glaube ich war noch nie (oder erst ein mal) so „früh“ in meinem Appartement – es ist erst 22:00 Uhr. Aber es ist ganz einfach allgemein Aufbruchsstimmung. Die Olympischen Spiele sind morgen vorbei, unser Studio ist so gut wie abgebaut und Deutschland hat noch ein paar Medaillen abgeräumt. Apropos Sport. Es ist schon seltsam und rückt auch sehr das eigene Bild zurecht, wenn man plötzlich so vielen „Stars“ in der Realität begegnet – vor allem auch in ganz privaten Momenten. Schon lustig wenn plötzlich Timo Boll neben dir am Pissoir steht, Harald Schmidt in der Lobby in Shorts und Sonnenbrille rumläuft oder Franziska von Almsick mit einem auf ein Taxi wartet…
Aber genug von „unseren Besten“. Da bekomme ich (und ich weiß auch einige von euch) nur schlechte Laune. Vor allem wenn man mal diesen grauenhaften PropagandaWerbefilm gesehen hat. (Link für alle alle die noch nicht das Vergnügen hatten.)
Ich versuche lieber unter der ganzen Tünche und Schminke auf der Olympia-Insel Beijing ein bisschen China zu entdecken – und auf Fotos festzuhalten. Auch wenn ich leider nur wenig Zeit dafür habe. Aber dafür bleibe ich ja auch extra eine Woche länger.
Wenn man sich mal ein bisschen umschaut kann man doch einiges entdecken. Vor allem die immer wieder auffälligen Versuche, eine schöne Fassade zu bauen – um das da hinterliegende Baufällige und Unfertige zu verdecken. Um alle Hutongs und Baustellen sind Mauern gebaut, schön angestrichen und mit Olympiawerbung bepflastert. Aber man sieht auch immer wieder durchscheinen, wie es dahinter aussieht…

Aber um nicht unfair zu sein: Es gibt auch wirklich sehr schöne Ecken in Beijing. Wir waren vor kurzem im Zizhuyuan-Bambuspark. Sehr schön und grün. Aber von wegen Blumen – Peking ertrinkt fast in einem Blumenmeer. Überall sind tolle Blumenarrangements, die jede Nacht kräftig bewässert werden. Das Wasser fehlt halt dann leider wo anders, angeblich sind die Wasserreservoirs vor allem nördlich von Beijing schon fast ausgetrocknet – und (auch ausländische) Journalisten werden gehindert darüber zu berichten. Würde mich nicht wundern, irgendwo muss das Wasser ja herkommen – und die Straßen hier sehen jede Nacht aus als hätte es geregnet…
Oh, jetzt kritisiere ich schon wieder. Zum Schmunzeln noch eine sehr wahre Seite: www.sleepingchinese.com. Ich kann das bestätigen.

Bilder für sich

So, ein paar Bilder wollte ich dann doch mal noch einstellen. Teils weil sie mir gut gefallen, aber hauptsächlich weil sie doch ein recht gutes Bild meines Eindrucks von Beijing liefern.
Natürlich gibt es noch (viele) mehr – doch zunächst diese.

Anglizismen und andere Ärgernisse

Ich hatte Updates versprochen – ein Anglizsimus, der mich zu einem Thema bringt, das einem hier echt auf die Nerven gehen kann. Niemand spricht Englisch. Gut, kaum jemand von uns spricht Chinesisch und meine paar Vokabeln reichen auch nicht sehr weit. Aber dass vor allem die Taxifahrer nicht mal das einfachste Englisch verstehen macht das ganze doch recht kompliziert. Vor allem, weil sie daneben leider auch selten wissen, wie sie zu der Adresse kommen, zu der man fahren will. Die Taxifahrer kennen ihre eigene Stadt nicht.
Und endlich habe ich sogar erfahren woher das kommt. Gestern habe ich mich länger mit einem Kerl unterhalten, der eigentlich aus Philadelphia (USA) kommt und seit fünf Jahren in China lebt. Er hat mir erzählt, dass die allermeisten Taxifahrer tatsächlich nach Hause gefahren sind. Nach Hause? Während den Olympischen Spielen???
Ja. Denn wie auch in Deutschland (und wahrscheinlich überall anders auf der Welt) stammen die meisten Taxifahrer nicht aus Peking. Da sich aber während der Olympischen Spiele nur gebürtige „Pekinesen“ in der Stadt aufhalten dürfen, mussten die meisten „richtigen“ Taxifahrer nach Hause (bzw. dahin, wo sie geboren wurden). Ich schätze mal, dass diese Regelung hauptsächlich erlassen wurde, um die ganzen Wanderarbeiter loszuwerden, deren Arbeitsverträge angeblich alle ausgelaufen sind, weshalb sie ihre Familien besuchen „dürfen“. Allerdings hat wohl niemand bedacht, dass damit eben auch die ortskundigen Taxifahrer rausgeschmissen werden. Und so ärgern sich jetzt alle, vor allem die ausländischen Eindringlinge Gäste über Fahrer, die kein Englisch können, nicht wissen wo es lang geht und die oft nicht mal eine Karte lesen können.
Aber es gibt auch immer wieder sehr nette Begegnungen. Gestern hat uns dann tatsächlich ein Taxifahrer mit „Auf Wiedersehen“ verabschiedet, nachdem er gefragt hatte woher wir kommen.

Bildergeschichte

So, die letzten Nächte war es echt spät. Daher habe ich mich heute entschlossen, vormittags mal nicht in Beijing rumzurennen, sondern auszuschlafen und ein bisschen die Eindrücke der vergangenen Tage zu verarbeiten. Fangen wir mit der längst überfälligen Ausgestaltung der Bildergeschichte des Fluges und der ersten Nacht an… Mehr kommt später.

Von Frankfurt aus ging es erstmal nach Shanghai, mit sieben Stunden Aufenthalt. Was lag da näher als sich mal DEN deutschen Exportversagerschlager Transrapid anzuschauen. Aber welch Enttäuschung. Statt chromblitzender Zukunftstechnik nur ein Zug, der von Außenansicht bis Innenausstattung anscheinend direkt von Ingenieuren des Zentralkomitees geplant worden ist.
Aber wenigstens bei der Findung von Abkürzungen und Symbolen haben die Chinesen dann wieder, wenn auch nicht Kreativität, immerhin Humor bewiesen.

Und ich muss schon zugeben, es ist eindrucksvoll mit 430 Kilometern in der Stunde durch die Gegend zu rasen. Auch wenn man sich im Klaren ist, dass man eigentlich gerade über die abgerissenen Wohnungen, Häuser, Gärten und Geschäfte von Zwangsenteigneten braust.

Shanghai selbst war dann wieder eine ziemliche Enttäuschung. Das den Chinesen anzuhängen wäre aber wirklich unfair (außerdem sind sie ja schon für genug verantwortlich – Lebensmittelpreise, Ölpreis, Klimaerwärmung, Kinderspielzeugvergiftungen). Es hat einfach nur in Strömen geregnet – naja, vielleicht waren die Chinesen mit ihrem Smog doch ein Stück dran schuld, keine Ahnung. Jedenfalls hat der Begriff „Luftfeuchtigkeit“ eine neue Dimension für mich bekommen. Leider war halt nix zu sehen vom Jin Mao-Tower oder vom Oriental Pearl Tower gerade gegenüber. Also sind wir direkt und klatschnass wieder zurück zum Flughafen gefahren.
Das war auch der Beginn unserer Hassliebe zu den chinesischen Klimaanlagen: Draußen eine Temperatur und Luftfeuchtigkeit, mit der man ein rostiges Kettenhemd glatt bügeln könnte, drinnen eine Kälte als stünde Weihnachten vor der Tür. Sich da angemessen anzuziehen ist eigentlich unmöglich.

Und dann lachte doch noch die Sonne – wenigstens auf diesem Foto an einer Stellwand im Flughafen, das gleich mal von allen Anwesenden abgelichtet wurde. Wer braucht da schon Photoshop um Bildern von der Shanghaier Skyline einen blauen Himmel zu verpassen…

große Kunst

Jaja, die Große Mauer – eines der sinnlosesten Protzbauwerke der Welt. Hauptsache mal ne Mauer in ein völlig unwegsames und unüberwindbares Gebirge gestellt… Aber mindestens zwei Armeen haben die Mauer dann ja doch eingenommen (soweit ich weiß): Die Mongolen und die Touristen. Erstere sind aber schon wieder aus China raus, der Einmarsch der Letzteren dauert noch an. Und viele Chinesen machen mit. Hoch zur Mauer geht es mit einem Sessellift, runter mit einer Sommerrodelbahn. Noch lächerlicher kann man ein historisches Bauwerk eigentlich kaum machen…
Aber genug des Ärgerns. Es war schon beeindruckend da oben, auch wenn man vor lauter Smog Dunst nicht sehr weit sehen konnte. Zum Glück gibt es ja Photoshop zum Aufhübschen der Fotos.
Apropos Fotos: Ich habe hier irgendwie ziemlich schnell Karriere gemacht und bin so was wie ein „Haus und Hof-Fotograf“ des Deutschen Hauses. Sollte mich wohl mal nach eine Bildagentur umschauen…
Aber auch neben der Arbeit komme ich kaum dazu, die ganzen Eindrücke und Ereignisse richtig zu verarbeiten, geschweige denn in eine für euch lesbare Form zu bringen. Dabei könnte ich viel schreiben: Über den Smog das Wetter, das Sightseeing, die Chinesen im allgemeinen und die Taxifahrer, die man wirklich schnell zu hassen lernt, das Essen, Beijing, und dann sind da ja noch die Olympischen Spiele. Aber ich gelobe Besserung und regelmäßige Updates.